September 29 + 30, 2020
Stuttgart, Germany

[DE] Sondernewsletter April 2020

Stuttgart, Deutschland, April 28, 2020

Interview mit Peter Sauber: Veranstalter der f-cell+HFC & f-cell 2020 und Inhaber der Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH

Das gesamte Interview sowie weitere News aus der Branche finden Sie hier:

Sondernewsletter PDF Download

f-cell Stuttgart f cell+HFC Vancouver sind die Plattformen für die H2BZ Branche im Jahr 2020

Branchentreffs diesseits und jenseits des Atlantiks finden statt!

Die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH organisiert zwei der wichtigsten Plattformen für die H2BZ-Branche: die f-cell+HFC in Vancouver und die f-cell in Stuttgart, die bereits zum 20sten Mal stattfindet. In diesem Jahr werden die beiden Kongresse mit begleitenden Messen im September voraussichtlich die ersten großen H2BZ-Veran-staltungen im westlichen Wirtschaftraum sein, die nach dem Covid-19-Shutdown wieder an den Start gehen. Was das für den Stellenwert der Veranstaltungen bedeutet und welche Auswirkungen die der-zeitige Situation auf die Planung und Durchführung hat, erläutert Agenturinhaber Peter Sauber im Gespräch mit der Newsletter-Redaktion.

Herr Sauber, wie gehen Sie angesichts der aktuellen Covid-19-Lage mit der Situation um und welche Konsequenzen erwarten Sie für Ihr Unternehmen und die von Ihnen geplanten Veranstaltungen?

Wir sind trotz der operativen Einschränkungen insgesamt recht hoffnungsfroh und blicken durchaus optimistisch in die Zukunft. In der jetzigen Situation nutzen wir die Chance, manche Dinge in Ruhe zu analysieren und können lange, intensive Telefonate mit Partnern und Kunden führen, was sonst in der Hektik des Alltagsgeschäfts leider oft zu kurz kommt.

Positiv für uns ist insbesondere, dass wir mit unseren bei-den etablierten H2BZ-Veranstaltungen im September, also direkt nach dem mutmaßlichen Ende des Shutdowns, an den Start gehen. Die f-cell+HFC wird – nachdem wir sie bereits zwei Mal verschieben mussten, nun am 9. und 10. September 2020 in Vancouver, Kanada stattfinden. Ich denke, dass wir dort für den nordamerikanischen Markt ein gutes Zeichen setzen können. Das gilt erst recht für die

f-cell in Stuttgart, die am 29. und 30. September 2020 folgt. Somit sind wir – und das wurde uns auch von anderen Marktteilnehmern so bestätigt – die erste Veranstaltung im Jahr 2020 im europäischen Raum, die umfassend und breit zum Thema Wasserstoff und Brennstoffzellen aufgestellt ist. Auch da die Hannover Messe mit der Hydrogen + Fuel Cells Europa auf das nächste Jahr „verschoben“ wurde.

Wir beobachten genau, wie die Situation sich in den nächsten Monaten weiter entwickelt und nehmen die Lage ernst. Insgesamt sind wir jedoch optimistisch, zumal wir uns bei unseren Planungen auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Sie haben den Deutschen Pavillon auf der FC Expo in Tokio Ende Februar/Anfang März 2020 organisiert. Dort waren bereits die ersten Auswirkungen der Corona-Situation zu spüren. Was können Sie aus Japan berichten?

Wir konnten auf der FC Expo in Japan bereits in allen Konsequenzen die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie miterleben. Viele Stellflächen blieben leer, einige Messestände wurden zwar aufgebaut, jedoch kein Personal zur Standbesetzung abgestellt. Vor allem die japanischen Großkonzerne hatten zu diesem Zeitpunkt schon umfassen-de Reiseverbote für ihre Mitarbeiter erlassen. Und es gab natürlich auch einen deutlichen Rückgang bei den Besucherzahlen, laut Veranstalter auf rund ein Drittel des Vorjahres.

Auf unserem Stand, dem Deutschen Pavillon, fehlte nur ein Aussteller: Ein weiterer hatte seine Exponate aufgebaut, konnte aber persönlich nicht anwesend sein. Die Besucherfrequenz war – vor allem im Vergleich zu den umliegenden Städten – trotz der widrigen Umstände hoch, fast auf dem Niveau des Vorjahrs. Daher zeigten sich „unsere“ Aussteller insgesamt zufrieden, zumal die Qualität der Gespräche als gut bewertet wurde und eine Vielzahl an hochkarätigen Kontakten zustande kam.

Für mich als Veranstalter war es lehrreich zu sehen, wie unsere japanischen Kollegen mit der Situation umgingen. Es gab an den Ein- und Ausgängen jeder einzelnen Halle Wärmbildkameras zur Temperaturmessung. Während der gesamten Messe mussten alle Teilnehmer und Aussteller Atemschutzmasken tragen. Da sind uns die asiatischen Länder um einiges voraus. Die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben wir in Japan bereits konkret erlebt und können das Gesehene dann bei unseren Veranstaltungen nach Bedarf umsetzen.

Mittlerweile sind viele für die H2BZ-Branche wichtige Messen und Kongresse entweder abgesagt oder verschoben worden – z.B. die Hannover Messe mit der Hydrogen + Fuel Cells Europe. Sie dagegen sind im September 2020 sowohl in Nordamerika mit der f-cell+HFC in Vancouver als auch in Europa mit der f-cell in Stuttgart am Start. Was bedeutet dies für den Stellenwert der beiden Veranstaltungen?

Mit den ersten beiden Groß-Veranstaltungen des Jahres im H2BZ-Bereich liegen wir meiner Einschätzung nach sehr gut im Markt. Hinzu kommt, dass spätestens im September einfach alle wieder in die „reale“ Welt hinaus wollen und sich Face-to-Face mit Kollegen, Partnern und Kunden austauschen möchten. Virtuelle Formate wie Video-Konferenz, Webinare und Telefonkonferenzen sind zurzeit zwar äußerst hilfreich und notwendig. Doch nach der langen Zeit des „Social Distancing“ ist auch klar, dass direkte persönliche Kontakte auf Dauer nicht zu ersetzen sind.

Wir bieten mit unseren beiden Veranstaltungen im September die Plattformen, um zu diskutieren, wie man das Geschäft wieder ankurbeln kann, wie der Status in den einzelnen Ländern und Branchen aktuell ist und was sich im Detail durch die Krise in den Märkten verändert hat. Und nicht zu vergessen: Zwar hat durch die Corona-Pandemie das Klima gerade eine kleine „Atempause“. Doch langfristig ist und bleibt der Klimawandel das zentrale Thema. Dabei bleibt die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ein zentrales Element der für eine umfassende Dekarbonisierung notwendigen Sektorenkopplung. Trotz der Corona-Pandemie führt kein Weg daran vorbei, dass wir den Klima-wandel in den Griff kriegen müssen.

Wie beurteilen Sie die Situation in Nordamerika? Wie sind Sie dort mit der f-cell+HFC in Vancouver aufgestellt?

Kanada und USA sind einerseits separat und unabhängig voneinander zu betrachten. Auf der anderen Seite sind die Wirtschaftsräume zwar unterschiedlich groß, aber eng mit-einander verflochten. Einige der renommiertesten Unternehmen der H2BZ-Branche wie Ballard, Hydrogenics oder Greenlight Innovation stammen aus Kanada. Die kanadische Regierung ist meines Wissens dabei, umfangreiche, finanziell gut ausgestattete Programme aufzulegen, um die Wasserstoffinfrastruktur und die H2-Technologie weiter voranzubringen. Mit unserer f-cell+HFC – mit der Canadian Hydrogen and Fuel Cell Association (CHFCA) als Gastgeber – decken wir somit schon den für sich alleine sehr interessanten kanadischen Markt ab.

Hinzu kommt der große Markt des Nachbarn USA. Dort wurde wegen der Corona-Pandemie das jährliche „Annual Merrit Review and Peer Evaluation Meeting“ – kurz AMR – des U.S. Departments of Energy (DOE) abgesagt. Auf diesem Meeting werden die aktuellen Projekte und Fördermaßnahmen der USA aus dem „Hydrogen and Fuel Cells Programm“ vorgestellt. Dieses Meeting ist für alle Akteure aus der H2BZ-Branche essenziell, um mehr zu den geplanten Programmen und den Entwicklung in den USA im Wasserstoffbereich zu erfahren. Natürlich können wir mit unserer zweitägigen Veranstaltung in Vancouver diese Lücke nicht vollständig schließen, aber wir werden versuchen, einige zentrale Aspekte bestmöglich abzudecken. Dabei helfen wird uns voraussichtlich u.a. Sunita Satyapal, Director of the U.S. Department of Energy’s Fuel Cell Technologies Office within the Office of Energy Efficiency and Renewable Energy (EERE), vielen auch von der f-cell in Stuttgart bereits bestens bekannt, die wir als Referentin angefragt haben.

Wie schaut es in Europa und Asien aus?

In China wurde gerade die 5th China International Hydrogen and Fuel Cell Conference & Exhibition (CHFCE Beijing 2020) von Ende September auf Mitte August vorgezogen. Den genauen Grund dafür kenne ich nicht. Sicher ist, dass China Kohle als Basis der Energieerzeugung ablösen will und in diesem Zusammenhang den H2BZ-Bereich weiter stark ausbaut. Japan hat leider mit der Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 sein diesjähriges Aushängeschild für eine „Hydrogen Society“ verloren, doch sie werden die Transformation zu einer Wasserstoffgesellschaft ganz sicher vorantreiben. Und auch Korea ist und bleibt auf einem guten Weg.

Europa hat ebenfalls in den letzten Jahren seine H2-Aktivitten stark ausgeweitet. Gerade in Frankreich und Großbritannien sind viele interessante Projekte hinzugekommen. Und ich glaube nicht, trotz der gerade getroffenen Anpassungen am europäischen „Green Deal“, dass diese auf lange Sicht zurückgeschraubt werden. Sollten Forschungsförderungen tatsächlich gekürzt werden, könnte dies ja den Übergang zu marktwirtschaftlich orientierten Projekten vielleicht auch beschleunigen.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wird die f-cell in diesem Jahr setzen? Wasserstoff rückte ja vor der Krise zunehmend stärker in den Fokus von Wirtschaft, Medien und Politik.

Ein Schwerpunkt sind marktorientierte Ländervorträge, die bereits in der Vergangenheit eine „Spezialität“ der f-cell waren. Wir zeigen damit auf, wo die H2BZ-Branche in den einzelnen Länder im Augenblick steht, was aus der Krise gelernt wurde, und welche Märkte und Business-Modelle in den vorgestellten Ländern für unsere Unternehmen, Organisationen und Forschungseinrichtungen besonders interessant sind. Inhaltlich wird die H2-Produktion im Mittelpunkt stehen und es werden die verschiedenen Anwendungsbereiche, insbesondere Busse, Lkw und Schiffe, thematisiert.

Ein Element unserer Veranstaltung ist z.B. die Vergabe des etablierten f-cell awards auf der Abendveranstaltung, die als Networking-Event vielleicht das wichtigste Instrument der f-cell ist. Dann gibt es Plenar-Vorträge, die einen Überblick über die Märkte und Länder geben; Parallel-Sessions zu einzelnen Marktsegmenten und regionalen Entwicklungen, Workshops und die im letzten Jahr erstmals in Programm genommenen Elevator-Pitches. Neu sind in diesem Jahr Ausstellerpräsentationen, in denen die Messeaussteller ihre Projekte, Produkte und Dienstleistungen in kompakter Form darstellen können. Das traditionelle Match-Making wird von uns sehr stark über die f-cell App unterstützt.

Last but not least sind die informellen Gespräche während der Veranstaltung zu nennen. Denn diese sind das Wichtigste, was eine Komplettveranstaltung ausmacht. Falls es im September Reisebeschränkungen in einzelnen Ländern geben sollte oder je nach aktueller Gesundheitslage, haben wir die passenden virtuellen Ersatzformate, wie Vortragseinspielungen per Video, in unserer Schublade und können auf diese bei Bedarf zurückgreifen.

Kann die H2BZ-Branche zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor werden, der entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung nach der Krise beiträgt?

Der Klimawandel ist nach wie vor das wichtigste Thema und muss es auch zukünftig bleiben. Einige Wirtschaftsverbände machen sich derzeit dafür stark, die Unternehmen während der Corona-Pandemie nicht zusätzlich zu belasten. Sie überlegen laut, zum Beispiel Grenzwerte aufzuweichen und Automobilhersteller nicht mit EU-Abgaben zu strafen, wenn sie die Grenzwerte überschreiten. In diese Diskussion dürfen wir meiner Meinung nach auf keinen Fall einsteigen. Das vorherrschende Thema ist nach wie vor der Klimawandel und wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um das 2- oder besser 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Dazu kann die H2BZ-Technologie entscheidend beitragen. Natürlich ist die Finanzierung momentan nicht einfach, aber was nützt es, wenn uns nachher die Luft zum Atmen fehlt.

Als Veranstalter haben Sie beste Kontakte zu den Playern der H2BZ-Branche. Welches Stimmungsbild vermittelt sich Ihnen bei den Gesprächen mit den Vertretern aus Wirtschaft, Forschung und Verbänden?

Wir haben letzte Woche all unsere Mitarbeiter in einer Video-Konferenz zusammengeschaltet, um die Frage „Was lernen wir aus Corona?“ zu beantworten. Wir wollten her-auszufinden, wie die Stimmungslage ist und was wir für die Zukunft lernen können. Die Grundstimmung der H2BZ-Akteure können wir recht gut durch unsere Gespräche im Rahmen der zweimaligen Verschiebung der f-cell+HFC in Vancouver ablesen. Die Sponsoren, Referenten, Aussteller und Teilnehmer, mit denen wir Kontakt hatten, beurteilten die Lage insgesamt als gut. Besonders freut mich als Veranstalter, dass alle ungeduldig darauf warten, im September endlich wieder durchzustarten und eine Plattform zu haben, auf der sie sich in der realen Welt präsentieren und austau-schen können. Das stimmt uns positiv und lässt uns auf eine dynamische Entwicklung im letzten Drittel des Jahres hoffen.