September 14 + 15, 2021
Stuttgart, Germany

[DE] Sondernewsletter Mai 2021

Stuttgart, Deutschland, May 11, 2021

Interview mit Peter Sauber: Veranstalter der f-cell+HFC & f-cell 2020 und Inhaber der Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH

Newsletter Mai 2021

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f-cell Stuttgart als Live-Veranstaltung geplant – WHTC + f-cell+HFC als „Digital Edition“

Peter Sauber: “Wir sind realistisch, aber optimistisch!”

Während die WHTC 2021 zusammen mit der f-cell+HFC vom 20. bis 24. Juni 2021 als „Digital Edition“ an den Start geht, soll die f-cell 2021 im September in Stuttgart bereits wieder live stattfinden. Die Peter Sauber Agen- tur Messen und Kongresse GmbH organisiert diese bei- den für die H2BZ-Branche zentralen Plattformen. Peter Sauber erklärt im Gespräch mit der Newsletter-Redak- tion, welche Erfahrungen seine Agentur mit digitalen und hybriden Veranstaltungen in diesem und dem letz- ten Jahr gesammelt hat und was dies für die aktuellen und zukünftigen Planungen bedeutet.

Herr Sauber, wie ist der Stand Ihrer Planungen zur WHTC | f-cell+HFC in Kanada und der f-cell in Stuttgart? Inwieweit beeinflusst die Corona-Pandemie auch in diesem Jahr Ihre Aktivitäten?

Ursprünglich war die WHTC, die in diesem Jahr zusammen mit der f-cell+HFC stattfindet, in Montreal als Live-Veranstal- tung geplant. Allerdings waren von Beginn an die Einreise- regeln für Kanada äußerst restriktiv. Daher haben wir zu- sammen mit unseren kanadischen Partnern und dem Welt- verband IAHE (International Association for Hydrogen Energy) beschlossen, die Veranstaltung rein digital durchzu- führen. Was dabei zu beachten ist, haben wir bereits bei Ausrichtung der f-cell+HFC 2020 als Digital-Veranstaltung gelernt. Dies ist durchaus anspruchsvoll, da die WHTC | f-cell+HFC eine sehr umfassende Veranstaltung mit fünf pa- rallelen Sessions und einer Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltungsbausteinen ist.

Wir befinden uns sechs Wochen vor Veranstaltungsbeginn mit der Planung bereits auf der Zielgraden. Die Resonanz ist bisher sehr positiv, wir haben für die WHTC fachlich hochka- rätige Einreichungen aus mehr als 20 Ländern erhalten. Das zeigt uns, dass das Interesse im wissenschaftlichen Bereich sehr groß ist und auch das digitale Format angenommen wird.

Mit der f-cell 2021 in Stuttgart gehen wir wieder am 14. und
15. September an den Start. Im letzten Jahr hatten wir das Glück, dass das Infektionsgeschehen zu diesem Zeitpunkt des Jahres so weit abgeflacht war, dass wir die f-cell als Hyb- rid-Veranstaltung mit signifikantem Präsenzanteil – sowohl beim Kongress als auch der Messe – ausrichten konnten. In diesem Jahr sind wir optimistisch, dass wir die Veranstaltung komplett live ausrichten können. Eine Tatsache, die uns po- sitiv stimmt, ist die stark steigende Impfquote. Natürlich sind wir realistisch genug, um für den Fall der Fälle eine di- gitale Fallback-Option einzuplanen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings noch keine verbindlichen Planungsgrund- lagen. Da müssen wir abwarten, welche Regelungen auf Bundes- und Landesebene im September gelten. Eventuell müssen wir uns darauf einstellen, Schnellergebnisse einzu- fordern oder eventuell Schnelltests selbst durchzuführen. Wir werden auf jeden Fall die Registrierungsseiten zur f-cell 2021 in den nächsten Tagen freischalten und dabei Messe und Kongress als Live-Veranstaltung anbieten.

Welche Schwerpunkte wird die WHTC | f-cell+HFC in Kanada setzen?

Grundsätzlich handelt es sich bei der WHTC immer um eine Veranstaltung mit wissenschaftlichem Schwerpunkt. Die Vorträge bilden dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Wasserstoffproduktion über den Aufbau der Infra- struktur bis hin zur Logistik. Überrascht hat uns die hohe An- zahl an Abstracts zum Thema Hydrogen Safety. Die Themen sind sehr breit gefächert. Das Programm wird vom Pro- gramm-Board in enger Abstimmung mit uns erarbeitet.

Im Mittelpunkt der f-cell+HFC steht die im Dezember 2020 veröffentlichte nationale Wasserstoffstrategie Kanadas. Da- rin werden verschiedene Säulen zum Aufbau einer Wasser- stoffwirtschaft benannt. Wir werden diese jeweils in eige- nen Sessions behandeln. Die Sessions sind dabei nicht als Vortragsreihen, sondern als Workshops konzipiert, damit sich die Teilnehmer aktiv untereinander austauschen kön- nen. Die Workshops behandeln u.a. die Themen Elektrolyse, Infrastruktur, Stahlherstellung, Mining, Hydrogen Blending, Flottenmanagement und Häfen. Geplant ist ebenfalls ein Fi- nanzierungsworkshop und natürlich werden auch die in der kanadischen Wasserstoffstrategie verankerten Hydrogen Hubs diskutiert. Diese sind das Pendant zu den Hydrogen Va- lleys in Europa.

Wir stellen dazu zwei interessante Projekte vor. Die beiden zugehörigen Workshops werden von den Unternehmen mit- organisiert, die die Hydrogen Hubs betreiben werden. In den Workshops werden die Teilnehmer erarbeiten, wie die Um- setzung funktioniert, wie die Projekte implementiert wer- den sollen und wie sich die gemachten Erfahrungen auf in- ternationaler Ebene übertragen lassen.

Zur Organisation der WHTC | f-cell+HFC: Wir starten mor- gens gemeinsam mit Plenarvorträgen aus Politik, Industrie und Wissenschaft. Einer der Eröffnungsredner ist Seamus O’Regan, der kanadische Minister für natürliche Ressour- cen. Nach dem Plenum starten bis zu fünf Parallel-Sessions. Diese bestehen aus drei parallelen WHTC-Strängen und zwei f-cell+HFC-Workshops.

Welche Impulse gibt es neben der kanadischen Wasserstoffstrategie in Nordamerika für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft?

Meines Wissens hat die USA noch keine explizite Wasser- stoffstrategie veröffentlicht. Bereits vor dem Regierungs- wechsel Anfang des Jahres hatte das DOE (Department of Energy) das Thema Wasserstoff kontinuierlich verfolgt. Wir hoffen, dass diese Aktivitäten nun unter der Biden-Administ- ration weiter vorangetrieben werden. Die auf dem Klimagip- fel von den USA formulierten Schutzziele sind ja durchaus ehrgeizig. Ich gehe stark davon aus, dass ähnlich wie in Ka- nada eine H2-Strategie auf den Weg gebracht wird und denke, dass sich in den nächsten fünf Monaten bis zur f-cell noch einiges entwickeln wird. Wir haben uns mit aus diesem Grund entschlossen, im September einen eigenen USA- Workshop im f-cell-Programm aufzunehmen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Hygiene- und Sicherheitskonzept im letzten Jahr gemacht? Was bedeutet dies für die f-cell 2021?

Die erste und wichtigste Aussage ist: Unser Hygienekonzept für die f-cell 2020 war augenscheinlich erfolgreich – uns wurden von keinem Infektionsgeschehen berichtet. Zu den Auflagen gehörte u.a., dass wir im Konferenzsaal nur mit ei- ner Person pro sieben Quadratmeter planen durften. Daher hatten wir 2020 zwei Plenarsäle genutzt und eine Direkt- übertragung eingerichtet. Ebenso gab es Beschränkungen hinsichtlich der Anzahl der Besucher, die gleichzeitig die Messe besuchen durften. Auch hier konnten wir durch ent- sprechende Maßnahmen die Besucherströme gut und vor- gabenkonform lenken. Mit diesen Erfahrungen sehen wir uns gerüstet für die f-cell 2021. Natürlich hoffen wir, dass die Vorgaben in diesem Jahr gelockert werden und eventuell mehr Besucher live an der Veranstaltung teilnehmen kön- nen. Die Zeichen dafür stehen meiner Meinung nach gut, insbesondere wenn bald die Impf-Priorisierung wie ange- kündigt aufgehoben werden sollte und genügend Vaccine für alle zur Verfügung steht.

Wir haben somit im letzten Jahr als Veranstalter Erfahrun- gen mit fast allen zurzeit notwendigen Veranstaltungsforma- ten sammeln können. Von rein digitalen Messen und Kon- gressen über Hybrid-Veranstaltungen wie der f-cell bis hin zu einem hybriden Messestand in diesem Jahr während der FC-Expo 2021 in Tokio. Damit sehen wir uns für die Zukunft bestens gerüstet. Auch wenn mein Fazit ist: Eine Präsenzver- anstaltung wie die f-cell ist durch ein digitales Format nie 1:1 zu ersetzen.

Welche Schwerpunkte wird die f-cell 2021 setzen?

Unsere Zielsetzung ist klar: Wir wollen mit der f-cell dazu beitragen, dass die Teilnehmer und Aussteller echtes Busi- ness generieren. Also raus aus den Projekten und hin zu funktionierenden Geschäftsmodellen. Darauf ist unser ge- samtes Konferenzprogramm ausgerichtet. Wir zeigen auf, über welche Potenziale einzelne Länder und Regionen ver- fügen. Ein interessanter Markt ist und bleibt Japan. Hier wird die Japan External Trade Organization (Jetro) uns bei der in- haltlichen Ausgestaltung unterstützen. Die USA und Kanada werden ein weiterer Länderschwerpunkt sein. Besonders gespannt bin ich auf unseren Newcomer Israel. Das Land ist weithin bekannt für seine technische Innovationskraft – vor allem im digitalen Bereich. Nun werden wir in einer eigenen Session vorstellen, wie weit die Entwicklungen dort auch im Bereich der H2BZ-Technologie fortgeschritten sind.

Auf der Anwendungsseite wird der Schwerlastverkehr eine große Rolle spielen, ebenso wie die Bereiche Busse, Flugver- kehr und Schifffahrt. Zusätzlich haben wir eine Reihe von Vorträgen zu zum Teil kontrovers diskutierten Themen ein- geplant. Dort geht es um Fragen wie: Reichen die regenera- tiven Energien aus, um Wasserstoff in der prognostizierten Menge herzustellen? Ist es sinnvoll, grünen Wasserstoff aus Entwicklungsländern zu importieren? Welche Rolle kann künstliche Intelligenz im Bereich Wasserstoff und Brenn- stoffzelle spielen? Wir möchten so auch „Randbereiche“ zur Diskussion stellen, die bisher weniger Beachtung finden, aber für die Realisierung einer Wasserstoffwirtschaft we- sentlich werden.

Wird es auch in diesem Jahr eine 24-Stunden-Wasserstoff- Rallye geben?

Ja, wir freuen uns darüber, dass wir mit der Rallye einen wei- teren attraktiven Baustein haben, der Messe und Kongress ideal ergänzt. Organisiert wird die 24-Stunden-Wasserstoff- Rallye von „Fast Concepts“ aus Deventer in den Niederlan- den. Wir unterstützen das Unternehmen, indem wir die Lo- cation zur Verfügung stellen und bei der Organisation hel- fen. Start und Ziel ist 2021 in Stuttgart. Die Fahrzeuge wer- den am späten Nachmittag auf dem Gelände der Wagenhal- len erwartet. Die parkenden BZ-Fahrzeuge sind immer ein wundervolles Bild zu Einstimmung der Teilnehmer auf das abendliche Event.

Auf der Abendveranstaltung am 14. September wird auch der f-cell award vergeben. Wir erwarten, dass Thekla Walker, die neue Umweltministerin von Baden-Württem- berg, wie in den Jahren zuvor ihr Vorgänger Franz Unterstel- ler die Laudatio hält.

Wie beurteilen Sie die Stimmung in der H2BZ-Branche?

Die Peter Sauber Agentur organisiert seit 21 Jahren die f-cell. Während dieser Zeit gab es alle paar Jahre immer wieder ei- nen Mini-Hype zum Thema Wasserstoff und Brennstoffzelle, der aber meist schnell verpuffte. Ich bin der festen Überzeu- gung, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt vor einer völlig neuen Situation stehen. Die Entwicklungen im H2BZ-Bereich neh- men wirklich Fahrt auf. Sowohl Staaten als auch Unterneh- men investieren zum Teil in Milliardenhöhe. Im Wochentakt wird über Kooperationen, Joint Ventures und Zusammen- schlüssen mit Beteiligung deutscher und international re- nommierter Unternehmen berichtet. Unsere Gespräche mit Ausstellern und Referenten im Vorfeld der Messe weisen in die gleiche Richtung. Die Stimmung in der Branche war sel- ten so positiv wie heute. Die H2BZ-Technologie wird nicht all unsere Klima- und Energiewende-Probleme lösen. Aber sie wird ein wesentlicher Baustein sein, die gewaltigen vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern. Wie dies gesche- hen kann, können wir hoffentlich im September auf der f- cell von Angesicht zu Angesicht diskutieren.